Volkstrauertag an Bord

28.02.1926 Volkstrauertag

Der erste Reichstrauertag der Gefallenen (Volkstrauertag) fiel in die Zeit des Aufenthalts auf Madeira. Auf dem Achterdeck fanden sich die Besatzung und Deutschen Madeiras zu einem Gottesdienst vor Feldaltar, bedeckt mit der Kriegsflagge, ein.

Volkstrauertag! Der erste deutsche Volkstrauertag soll in erster Linie dem Ehrengedenken unserer im Weltkriege gefallenen Väter, Brüder und Söhne gewidmet sein. Es ist nur zu wünschen, daß sich diese ernste Feier recht tief und fest und feierlich, auch ohne viele Reden und Gesänge, aus dem ureigenen deutschen und menschlichen Empfinden heraus geltend macht in den Herzen des ganzen Volkes.

Cellesche Zeitung: Den Gefallenen.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

Funchal Madeira

26.02.1926 Ankern vor Funchal (Madeira)

Der nächste Stop war „Funchal“ auf der Insel Madeira, die von Ihren Einwohnern wegen ihrer üppigen Vegetation „Flor d’Oceano“ (Blume des Ozeans) genannt wurde. Durch die vulkanische Beschaffenheit und das milde Klima ist die Insel außerdem für Wein, Obst und Zuckerrohr bekannt. Allein 7 Millionen Liter Wein soll die Insel damals exportiert haben. Als weitere Einnahmequelle ist die Strickindustrie ein Standbein der  180 000 Einwohner, die damals auf der Insel lebten. Selbst heute noch ist Madeira weltberühmt für seine Stickarbeiten.

Direkt neben der „Hamburg“ ankerte zur selben Zeit das schwedische Schulschiff „Fylgia“ .  Es gab wohl einen regen Austausch zwischen den beiden Marineschiffen. Drei Tage lang war der Besatzung der Landgang gewährt. Ein Abenteuer waren gewiss die Fahrten in den Ochsenschlitten, die über Lavagestein gepflasterte Straßen glitten.

Ein Höhepunkt, des dreitägigen Aufenthalts, war die Einladung zu einem Fest, mit den ansässigen Deutschen Madeiras, auf der Besitzung des Konsuls Emil Gesche.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

Ponevedra Abschied

23.02.1926 Leinen los – Abschied von Pontevedra

Am 23.02.1926 lichtete die „Hamburg“ den Anker und die Fahrt ging weiter in Richtung Funchal auf der Insel Madeira.  Wegen ihrer üppigen Vegetation auch „Flor d’Oceano“ (Blume des Ozeans) genannt.

Den Kadetten blieb nicht viel Zeit die Aussicht zu genießen, denn sie waren nicht auf einer Urlaubsreise, sondern es galt harten Drill zu absolvieren. Gerade in dem frühen Stadium der Reise, war dies wohl notwendig, um die Besatzung zusammen zu  schweißen. Sobald der Kreuzer sich von Land löste, setzte stets der streng geregelte Ausbildungsplan, der im Hafen oft von Veranstaltungen durchkreuzt wurde, mit der im soldatischen  ebenso unerbittlich gleichmäßig gehenden Dienstuhr, ein. Unterricht und praktischer Dienst füllten den Tag von Sonnenaufgang bis Untergang. Nebenbei mussten die Seekadetten auf zwei Wachen sämtliche Seeposten besetzen, während die Ingenieurskadetten auf die drei Maschinenwachen gleichmäßig verteilt waren.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

22.02.1926 Bucht von Pontevedra – Kohlen

Der Kreuzer nimmt Kohlen für die weitere Fahrt auf.

Unterhaltung zwischen den Ingenieurkadetten Ernst Langbauer und Wilhelm Sandor:

„Kannst du mich noch sehen Willi?“ rief Langbauer.

„Nein!“ antwortete dieser kurz.

„Dann sind die Kohlen gut!“ bemerkte Langbauer voll Hohn.

„Oberleutnant Kind sagt immer: Wenn die Kohle staubt, so ist sie meistens gut! Weißt du, solch Lehrsatz ist doch reichlich relativ!“


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

19.02.1926 Bucht von Pontevedra

Der Sturm war überstanden und so ging es weiter, bis am 19.02.1926 die zackige Felsküste Nordwestspaniens gesichtet wurde.

Die kleine Insel Ons wurde passiert beim Einlaufen in die Bucht von Pontevedra. In dem kleinen Ort  Marin verweilte die „Hamburg“ einige Tage um kleine Schäden am Schiff auszubessern, die während des Sturmes entstanden waren. Eine herzliche Gastfreundschaft erwartete die Besatzung durch die ansässigen Spanier, die nur gute Worte über Deutschland fanden. Aus dem benachbarten Vigo kamen einige Deutsche zu Besuch, unter anderem der Konsul R. Kindling (Anmerkung: Name/Identität nicht gesichert)


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

17.02.1926 Sturm in der Biskaya

Am 17. Februar befand sich die „Hamburg“ in der Biskaya und wie vorausgesagt in einem Sturm. Aus Südwesten rollten beständig Brecher gegen das Schiff. Damit sich die Besatzung überhaupt noch auf dem Deck bewegen konnte, wurden sogenannte Strecktaue gespannt. So wörtlich „opferten“ an diesem Tage wohl viele Matrosen dem „Meergott“. Der Kommandant befahl das Schiff gegen die Wellen zu stellen, als es nicht mehr möglich war Kurs und Fahrt zu halten. Sie kämpften einen Tag an Ort und Stelle gegen die Wellen an, ohne einen Meter vorwärts zu kommen.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

15.02.1926 08:00 Uhr Englischer Kanal

Einen Tag nach der Abfahrt, um 8:00 Uhr, steht das Schiff bereits im Englischen Kanal. Auf der Steuerbordseite kann man die Lichter von Dover sehen und auf der Backbordseite das Feuer von Calais. Schlechtes Wetter melden die Wetternachrichten aus London und Paris für die Biskaya.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928