14.02.1926 Auslaufen in Wilhelmshaven

Die „Hamburg“ machte am 14.02.1926  in der Dritten Einfahrt in Wilhelmshaven fest. Am Kai hatten sich bereits die Familien versammelt, um ihre Söhne zu verabschieden.

Nach einem letzten Gottesdienst in der Heimat besuchte der Bürgermeister von Hamburg Dr. Petersen in Begleitung vom Stationschef Vizeadmiral Bauer,  Flottenchef Vizeadmiral Mommsen, Inspekteur des Bildungswesens Konteradmiral Hosemann und weiterer Vertreter der deutschen Marine, die „Hamburg“.

Der Bürgermeister überreichte feierlich ein Geschenk der Frauen Hamburgs: Eine Toppflagge der Patenstadt welche, mit der Genehmigung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, im Vortopp gesetzt wurde. Der Bürgermeister  richtete noch einige Worte an die Besatzung :

Kameraden vom Kreuzer ‚Hamburg’! Wenn der Kreuzer Hamburg am heutigen Tage hinausfährt auf das freie Meer, dann geht mit ihm ein Stück deutsches Vaterland hinüber nach fremden Ländern. Dies Vaterland ist nicht mehr das große mächtige Deutschland von ehedem. Es ist ein Land der Armut und der Not. Das wollen wir nicht verbergen, sondern offen bekennen. Aber ein anderes wollen wir auch bekennen; dass wir Glieder eines Volkes sind, das nach seinen beispiellosen Opfern an Blut und Gut ungebrochen dasteht in seinem Willen zur nationalen Leistung, eines Volkes, an dessen Zukunft wir unerbittlich glauben – auch in den Kümmernissen unserer Gegenwart.

Es ist eine hohe verantwortungsvolle Aufgabe, die jedem Mann der ‚Hamburg’ auf dieser Fahrt gestellt ist, Zeugnis abzulegen vom Geist dieses neuen Deutschlands, Zeugnis von der Pflichterfüllung und der Vaterlandsliebe, die Reichsheer und Reichsmarine beseelt.

Mögen die Volksgenossen, denen fremde Länder zwar neue Heimat gaben, die aber die Treue zur alten Heimat darüber nicht vergaßen, wenn sie an Bord der ‚Hamburg’ deutschen Boden betreten, fühlen, dass wir das beste nicht verloren haben; deutsche Zähigkeit, deutsche Disziplin und die Treue zu den Toten, den Lebenden und den zukünftigen Trägern des deutschen Volkstums.

Wir Hamburger sind stolz darauf, dass unser Patenschiff fortan bei festlichem Anlass die hamburger Flagge führen wird. Wir freuen uns nicht nur deshalb darüber, die weiße dreitürmige Burg im roten Felde am Mast eines deutschen Kriegsschiffes auch im Ausland die innige Verbindung zwischen der alten hanseatischen Handelsstadt und der Reichsmarine beweist, sondern weil wir die tiefe Auszeichnung einem Manne danken, dem die treue Pflichterfüllung gegen sein Volk Sinn und Leitstern seines Lebens ist, einem Manne, dessen Namen noch in ferner Zeit mit Verehrung und Dankbarkeit im deutschen Volke genannt werden wird, unserem verehrten Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Indem ich den Kreuzer hiermit die Flagge übergebe, spreche ich die Hoffnung aus, dass die Fahrt, auf der sie zuerst im Auslande gesetzt wird, ehrenvoll sein möge für den Kreuzer ‚Hamburg’ und  ehrenvoll für unser Vaterland. Möge sie wie es unsere deutschen Kaufleute bereits wieder in unermüdlicher Tatkraft versucht haben deutsches Ansehen mehren helfen. Wo aber ein Herz in der Ferne für Deutschland schlägt, da bringt die ‚Hamburg’ den Gruß der Heimat und das Gelöbnis aller Deutschfühlenden, nicht zu lassen von der Liebe und der Treue zu unserem geliebten Vaterlande.

Ich wünsche dem Kreuzer ‚Hamburg’ namens seiner Patenschaft: Glückliche Fahrt.

Ausdruck der Empfindungen, die uns alle in diesem Augenblick beseelen, sei der Ruf:

Deutschland: Hurra!

Der Kommandant Fregattenkapitän Otto Groos versicherte, dass sie der Patenstadt alle Ehre machen werden und ließ die „Hamburg“-Flagge hissen. Die Besatzung durfte dann kurz noch einmal von Bord um sich von den Verwandten zu verabschieden, bevor es auf große Fahrt ging. Die Bordkapelle spielte zum Abschied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, das waren die letzten Klänge für lange Zeit, die die tausend Versammelten am Kai von der „Hamburg“ hörten.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

Korrektur: der Personen und Funktionen. Dank an Urs Heßling für den Hinweis!

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