Besuch der deutschen Kolonie in Guatemala

Die deutsche Kolonie der Hauptstadt Guatemala hatte einen Teil der Besatzung (Kommandant, 9 Offiziere, mehrere Deckoffiziere und Unteroffiziere, 20 Kadetten und 40 Mann der Besatzung) eingeladen. Mit einem Extrazug der zentralamerikanischen Eisenbahn ging es gen Guatemala. Dem Kommandanten wurden zur Begleitung zwei Generalstabsobersten zur Seite gestellt. In „Palin“ hielt der Zug und „Eingeborene“ boten den Reisenden Früchte zum Verkauf an.

Nach fünfstündiger Fahrt erwartete sie eine Begrüßung in Guatemala, als wären sie nach Hause heimgekehrt. Die Handelsherren der Firmen Schlubach & Co., Sapper und Nottebohm hatten den Besuch mit allen Mitteln vorbereitet. Ihre Mitabreiter versuchten den Gästen den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten und beantworteten fleißig alle gestellten Fragen.

Alle Minister des Landes und die amerikanische Gesandtschaft waren zur Begrüßung erschienen, sowie eine 100 Mann starke Militärkapelle.

Da in Guatemala viele deutsche lebten, war das Interesse an der Heimat groß und so gab es bei den Festen und Banketts oft einen Anflug von Heimweh bei Gästen und Gastgebern. Antigua wurde noch mit dem Kraftwagen besucht und dann war der Aufenthalt auch schon wieder vorbei.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

26.04.1926 Puerto San José (Guatemala)

Am Nachmittag des 26. Aprils ankerte die „Hamburg“ vor „St. José“. Da an der mittelamerikanischen Küste Bänke vorgelagert sind, konnten Schiffe nicht nahe ans Land fahren. Aus diesem Grund gab es keine Häfen im herkömmlichen Sinne, sondern kleine Hafenplätze wie „St. José“, die aus wenigen Stapelhäusern, Hütten und einem Bahnhof bestanden. Über die Sandbänke verlief eine Brücke, die bis in die See hineinreicht. Auf ihr verlief eine Schmalspurbahn auf der mit Loren die Schiffe be- und entladen wurden.

Aus Guatemala reiste zur Begrüßung der „Hamburg“ der deutsche Gesandte Herr Wilhelm von Kuhlmann an. Dieser verblieb auf dem Schiff, um bequem Teile seines Amtsbereiches zu bereisen (San Salvador und Honduras).


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

25.04.1926 Totenfeier

Am Sonntagmorgen rief die Schiffsglocke zur Totenfeier.

„In deiner Hand ist Himmel, Erde und Meer! Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch das Meer wütet und wallt! Lehre uns bedenken, dass nur ein Schritt ist zwischen uns und dem Tode, damit wir christlich Leben und heilig sterben!“

 „Front nach Steuerbord!“

„Fallreep!“

Die Besatzung verabschiedete sich von ihrem Kameraden während leise die Musik die „Weise vom Kameraden“ spielte.

Sechs Kameraden trugen ihn zum Fallreep, sechs Kadetten erwiesen ihm dort als Fallreep-Gasten die letzte Ehrenbezeugung. Nach einem Pfiff wurde er seinem so geliebten Meer übergeben, während das Schiff still dalag und die Maschinen gestoppt waren.

„Schlafe wohl auf tiefen Grunde,

von der Brandung angewiegt,

deiner Mutter bring ich Kunde,

wo ihr Kind begraben liegt“

 

Die Maschinentelegraphen klingelten und die „Hamburg“ nahm wieder Fahrt auf. Der Kommandant richtete noch einen Nachruf des Verstorbenen an die Besatzung und ermahnte, dass man den Kameraden nicht vergesse.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

24.24.1926 Seekadett Bloch verstirbt

Das Klima war nun so drückend, dass der Mannschaft weitere Erleichterungen zuteil wurden. Von 10:30 Uhr bis 14:30 Uhr, fand weder Ausbildungsdienst noch Unterricht statt. Der Wachdienst und die Arbeit in Maschinen und Heizräumen musste natürlich weiterhin geleistet werden. Zur Erleichterung wurden die Bunkerdeckel nun offen gefahren, was das Mitteldeck arg in Mitleidenschaft zog, den Arbeitern in den Heizräumen, aber mehr Luft zum Atmen verschaffte.

Das Klima und die harte Arbeit forderten dann schließlich doch ihren Tribut:

Der Seekadett Bloch brach am 24. April im Bunker zusammen. Trotz der Bemühungen der Ärzte verstarb der junge Kadett. Er wurde im Seemanns-Sarg mit seiner Hängematte bedeckt, im schneeweißen Paradeanzug und der Reichskriegsflagge auf der Steuerbord-Hütte (ein Ehrenplatz auf dem Schiff) aufgebahrt. Zwei Soldaten standen bei ihm eine Nacht lang Wache um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

22.04.1926 Balboa / Panama

In Balboa machte die „Hamburg“ für zwei Tage fest. Mit der elektrischen Eisenbahn ging es nach Panama wo der deutsche Konsul ein aufwendiges Programm bereithielt. Die Ärzte des Schiffes besichtigten die riesigen modernen Krankenhäuser während die Besatzung eine Rundfahrt durch die Stadt machten. Sehenswürdigkeiten waren unter anderem das Denkmal der 22.000 Toten, die während des Kanalbaus ihr Leben gaben, das Denkmal des Balboa und die vielen schönen Hotels.

Panamakanal

Panamakanal

19.04.1926 Passieren der Gatún-Schleusen (Panamakanal)

Am 19. April passierte der Kreuzer die Gatún-Schleusen und durchquerte innerhalb von sieben Stunden den Kanal.



Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

Beim Kohlen St.Thomas

16.04.1926 Erreichen des Panamakanals (Colón)

Am 16. April erreichte der Kreuzer Colon, der Eingangshafen zum Panamakanal, und machte drei Tage fest. Die hochmoderne Kohlenstation vor Ort, die das Schiff fast ohne Menschenkraft in knapp drei Stunden bekohlte, beeindruckte die Mannschaft.

(Anmerk.: Das Bild zeigt die Kohlenstation auf St. Thomas)


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg“ 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928