27.10.1926 Ausflug ins Innere Sumatras

Für die andere Hälfte ging es nach einer Begrüßung des Bürgermeisters von Medan in das Innere Sumatras. Mit  85 Personen in  20 Automobilen ging es drei Tage durch einsame Gegenden bis in 1400 Meter Höhe.

Am ersten Tag erreichten sie die Hochfläche von „Berastagi“. Sie wurden dort auf Hütten verteilt und von jeweils drei „Schwarzen“ bedient. Kurioserweise konnten sie sich mit ihnen mittels Zeichensprache und Plattdeutsch verständigen. Ganz in der Nähe sollte es zu jener Zeit sogar noch Fälle von Kanibalismus im „Pakpak“ gegeben haben. Ein Urvolk, dass trotz der Holländer noch abgeschieden im Urwald lebte. Am nächsten Tag ging es wieder abwärts in das „Batakerdorf?“ in  „Haranggaol“. Dort wurden sie Zeuge einer Vorstellung der Batakertänzer, die das Liebesspiel und die Zauberkraft des Paradiesvogels vortanzten.

Mit Einbaumbooten, die teilweise bis zu dreißig Meter lang waren und mit Menschenhaar am Bug geschmückt waren, fuhren sie über den See bis zu dem Landhaus von Dr. Baermann. Dort angelangt verbrachten sie den Tag mit Schwimm- und Ruderwettstreiten in Einbäumen. Zur Belustigung der Eingeborenen kenterte das ein oder andere Gefährt. In einer turbulenten Fahrt im Tropenregen auf der windigen Straße ging mit dem Automobil nach „Prapatra?“. Es erwarteten sie trockene Unterkünfte und ein Festmahl nebst Feuerwerk, dass der Graf Generaladministrateur der Oostkust Maatschppij? (vermtulich eine Eisenbahngesellschaft Deli Spoorweg Maatschappij)  organisiert hatte. Am nächsten Tag ging es in die Pflanzung des Herrn „von Guérard“. Mit der Besichtigung dieser Plantage endetet der dreitägige Ausflug.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

25.10.1926 Belawan

Am 25. Oktober erreichte der Kreuzer „Belawan“. Beim Eintreffen des Schulschiffes war der Hafen noch Bau. Der 1. Vorsitzende des deutschen Vereines, Dr. Baermann, hatte sich dafür eingesetzt, dass der Reiseplan des Kreuzers geändert wurde. So verblieb das Schiff volle neun Tage in Medan, die zu dem Höhepunkt des Aufenthalts in Niederländisch-Indien werden sollten. Jedoch waren die Bedingungen für die Besatzung alles andere als gut. Des Nachts mussten alle Lichter gelöscht und die Bullaugen verhängt werden, da sonst Schwärme von Moskitos eingedrungen wären. Das erdrückende Klima und die Chininrationen (Und um die Seefahrer vor einer Malariainfektion zu schützen, wurde Chinin Getränken zugesetz), die Fieber hervorriefen, taten ihr übriges. Die Besatzung wurde in zwei Hälften geteilt und durfte nacheinander für vier Tage nach Medan. Die Zurückgebliebenen ließen die schlechten Verhältnisse jedoch nicht auf die Stimmung schlagen. Das abgedunkelte Schiff veranlasste eher im Gegenteil zu mehr Geselligkeit und Frohsinn. So kam es dass in der Offiziersmesse vom Funkoffizier folgendes Lied erdacht wurde  (in starker Anlehnung an Herrn Beda und Neubach) :

„Ich hab mein Herz in Belawan verloren

In einer schwülen Tropennacht

Ich war verliebt bis hinter beide Ohren,

und wie ein blöder habe ich gelacht!

Ha! Ha! Ha! Ha!

Chinin und Schum war’n unsre einz’ge Nahrung!

Die Krokodile fahrn zum Bulley rein!

Jetzt haben wir schon einige Erfahrung:

Hier möchten wir begraben sein!“


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

14.10.1926 Jakarta

Am 14. Oktober lag die „Hamburg“ in „Batavia“ (heute Jakarta). Die Besatzung wurde dort ins nahegelegene „Weltevreden“ (ein Villenstädtchen), der Residenz des Generalgouverneurs, vom deutschen  Verein eingeladen. Der Aufenthalt der „Hamburg“ war bereits im voraus von Generalkonsul Kessler im deutschen Verein und Herrn Helfferich vom Straits & Sunda Syndikat geplant und vorbereitet. Schon am ersten Tag nach dem Einlaufen stand eine Fahrt nach „Buitenzorg“ (Sorglos) an. Ebenfalls stand eine Besichtigung des Botanischen Gartens auf dem Programm. Eine Abordnung wurde für drei Tage nach „Bandung“ in die Pflanzungen von deutschen eingeladen.

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Zur selben Zeit nahm eine andere Abordnung auf Einladung von Herrn Helfferichs an der Einweihung eines Denkmals in dessen Besitzung „Tikopo“ teil. Dieses trug die Inschrift „Dem tapferen Deutsch-Ostasiatischen Geschwader 1914“. Der Gedenkstein hatte die Form eines Tempels (Tandji/Ghandji?). Flankiert wurde dieser von zwei Statuen. Eine stellte Buddha und eine Ganesha dar. Herr Helfferich (der Bruder des verstorbenen Staatsekretärs) sprach zu diesem Anlass ein paar Worte im Gedenken an die Taten des Grafen Spee:

Mögen die Wellen, die heute über ihr Grab ziehen, ihnen Kunde geben von unserem Gedenken! Möge das Denkmal, das wir zu ihrer Ehre errichtet haben, lange stehen! Möge dieser heilige Ort zu einem Wallfahrtsort werden für alle Deutschen hier draußen, die ihr Vaterland lieben! Mögen die Steine reden von der Treue, die nimmer vergeht!“

Bei einer Eisenbahnfahrt kam der Obermatrose Thiel ums Leben. Er wurde nach allen militärischen Ehren auf dem Militärfriedhof beigesetzt.

Am 20. Oktober verließ die „Hamburg“ Java.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

05.10.1926 Surabaya

Nach dem Fest ging es an der Insel „Celebes“ (heute Sulawesi) wieder südwärts in Richtung Java. Am 5. Oktober erreichte die „Hamburg“ „Surabaya“. Vier Wochen sollte der Aufenthalt in Niederländisch-Indien dauern. Dieser wurde durch die niederländischen Gastgeber aber vor allem durch dort ansässigen großen deutschen Vertreter zu einem großen Erfolg.

In „Surabaya“ wurde die dortige Messe in deren Ausstellungshallen besichtigt. Der Bürgermeister von „“Medan“ begrüßte die Mannschaft und bot ihnen Quartier für mehrere Tage in einer Kaserne. Der Gouverneur der Ostküste von Sumatra  und der Generalgouverneur in „Buitenzorg“ (Bogor) luden zum Abendessen ein. Die Stimmung zwischen Holländern und Deutschen wurde als „einstimmig“ bezeichnet und zeugte vielleicht daher, dass das Schiff von anderen Nationen, insbesondere der USA, sehr herzlich empfangen wurde.

Surabaya Markt

Surabaya Markt

Die deutsche Auslandszeitung „Die Wacht“ schrieb:

„Nicht mehr lange wird es dauern, und wir werden ein Stück unseres Vaterlandes hier draußen sehen. Im Oktober wird der Schulkreuzer „Hamburg“ auf der Reede von Batavia erwartet. Wehmut und stolz werden miteinander ringen, wenn wir des kleinen Kreuzers ansichtig werden; aber schließlich werden der Stolz und die Freude siegen, der Stolz trotz allem auf unser Vaterland.“

Unter diesem Motto sah auch die Besatzung ihren Auftrag. Den Auslandsdeutschen einen Gruß aus ihrer Heimat zu geben!

Seid zwölf Jahren befuhr kein deutschen Kriegsschiff mehr die ostindischen Gewässer. Der Besuch des Schiffes wurde folgendermaßen empfunden:

„Es ist wie ein lang erwartetes  und doch plötzlich aufflammendes Feuerzeichen auf fernem Gipfel, die Verkündigung, dass Deutschland lebt, dass es trotz aller Not noch will, dass keine Hand – so schwer sie auch auf ihm laste – es zu erdrücken vermag. Es ist uns willkommen und gegrüßt, dieses lichte Feuerzeichen aus der Ferne! Wie jeder auch politisch von uns eingestellt sein mag, zum Empfange dieses Schiffes soll es für uns alle ohne Ausnahme nur eine Pflicht geben, einig nach Innen und Außen in dem Ausdruck unserer Gefühle zu sein. Das kommende Schiff ist ein werbendes Stück Heimat und dies Schiff führt unsere Flagge und dieses Schiff und die deutsche Flagge wollen wir einig und ehrfurchtsvoll begrüßen, als käme die Heimat selbst, uns hier in der Ferne zu suchen!“

 

Die Wege des Kreuzers „Hamburg“ und des Fischkutters „Hamburg“ kreuzten sich hier. Oberleutnant „Carl Kircheiß“, der frühere erste Offizier des „Grafen Luckner„, segelte mit diesem Kutter um die Welt und erwartete nun hier den Namensvetter in „Tanjung Perak“  dem Hafen von „Surabaya“.

Fischkutter Hamburg - Carl Kircheiß

Fischkutter Hamburg – Carl Kircheiß

Von dort aus unternahmen sie einen Ausflug in das Bergstädtchen „Tetres“ und besichtigten den erloschenen Vulkan. Von dort aus ging es weiter nach „Singosari“ wo sie alte Hindugötzenbilder zu sehen bekamen. Den Abschluß bildete der Markt in „Malong“.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

01.10.1926 Äquatortaufe

Am nächsten Morgen war bereits alles vorbereitet. Der Thron Neptuns war aufgestellt. Das Taufbecken, in Form eines Badesegels, war auf dem Steuerbrod-Mitteldeck aufgespannt und unheimliche Bassins  mit schwarzem und grünrotem Schaum, zum rasieren der Täuflinge, waren bereitgestellt. Um neun Uhr zog ein seltsamer Tross von der Back nach Achtern. Angeführt von Spielleuten, gefolgt von „Neptun“ nebst Gattin „Thetis“ in einem Wagen. Dieser wurde flankiert von dem Gefolge:

Der „Aktuar“, der Hofnarr, der Bettelmönch, der Astronom, der Leibarzt, der Kellermeister und noch viele weitere. Zum Schluß kam der Polizeichef nebst seinen Trabanten, die bei der Taufe die Täuflinge mit sanfter Gewalt ans Becken führen und sie doppelt solange in die salzigen Fluten zu tauchen.

Nachdem der Leibeigene „die Linie freigeworfen“ hatte ging die Taufe los. Vom ersten Offizier bis zum jüngsten Heizer wurde niemand verschont, der die berühmte Linie noch nie passiert hatte. Scherzgedichte wurden vorgetragen, Pillenschlucken, Medizinnehmen und vor allem Wasser unendlich viel Wasser:

Im Taufbecken, im Windsack , der bäuchlings kriechend passiert werden musste, immer wieder Wasser bis er am Ende des Parcours vom Kellermeister ein Quart Rum als Stärkung  und Begrüßung auf der südlichen Halbkugel bekam.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928