01.10.1926 Äquatortaufe

Am nächsten Morgen war bereits alles vorbereitet. Der Thron Neptuns war aufgestellt. Das Taufbecken, in Form eines Badesegels, war auf dem Steuerbrod-Mitteldeck aufgespannt und unheimliche Bassins  mit schwarzem und grünrotem Schaum, zum rasieren der Täuflinge, waren bereitgestellt. Um neun Uhr zog ein seltsamer Tross von der Back nach Achtern. Angeführt von Spielleuten, gefolgt von „Neptun“ nebst Gattin „Thetis“ in einem Wagen. Dieser wurde flankiert von dem Gefolge:

Der „Aktuar“, der Hofnarr, der Bettelmönch, der Astronom, der Leibarzt, der Kellermeister und noch viele weitere. Zum Schluß kam der Polizeichef nebst seinen Trabanten, die bei der Taufe die Täuflinge mit sanfter Gewalt ans Becken führen und sie doppelt solange in die salzigen Fluten zu tauchen.

Nachdem der Leibeigene „die Linie freigeworfen“ hatte ging die Taufe los. Vom ersten Offizier bis zum jüngsten Heizer wurde niemand verschont, der die berühmte Linie noch nie passiert hatte. Scherzgedichte wurden vorgetragen, Pillenschlucken, Medizinnehmen und vor allem Wasser unendlich viel Wasser:

Im Taufbecken, im Windsack , der bäuchlings kriechend passiert werden musste, immer wieder Wasser bis er am Ende des Parcours vom Kellermeister ein Quart Rum als Stärkung  und Begrüßung auf der südlichen Halbkugel bekam.


Quelle: Hans-Georg von Friedeburg: 32000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers “Hamburg” 1926/1927. Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Westfalen, o.J. um 1928

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